
Die Welt der Götter - Das Totenreich
In Sagen und Legenden wird immer wieder von der unsichtbaren Welt der Götter und der sichtbaren Welt der Sterblichen berichtet. Die Erzählungen vermitteln zusehends ein Bild, dass die Gelehrten vage Vermutungen über Tod und Leben schließen lässt, jedoch nie genug, um tatsächlich alles begreifen zu können.
So gehen die Weisen heute davon aus, dass es auf der Erde zwei Ebenen gibt, die parallel zueinander existieren: die sichtbare Welt und die Seelenebene. Zur sichtbaren Welt gehört all das, was anzufassen und mit normalen Augen zu betrachten ist, während die Seelenebene das wahre Wesen der Dinge darstellt.
In der Seelenebene sieht ein Baum noch immer wie ein Baum aus, doch erkennt man nun seine Verwandtschaft mit Steinen und Wasser, sowie den Urkräften. Veränderungen der Welt tragen auch Veränderungen in der Seelenebene nach sich. Menschen, denen großes Leid widerfuhr, tragen tiefe Narben in ihren Seelen, die denen die über das zweite Gesicht verfügen viel über ihr Gegenüber verraten können. Doch auch Krankheit und Magie verändern die Seelengestalt eines Wesens.
Vampire besitzen kaum eine Seelengestalt. Zur Hälfte gestorben und am Rande des Abgrunds ist nur ein schwacher Schatten ihrer Seelengestalt in ihrem sterblichen Leib verblieben, der durch seinen fast vollständigen Tod für die Ewigkeit konserviert ist. Werwesen hingegen zeigen immer die entgegen gesetzte Erscheinung. Sind sie in der sichtbaren Welt als tierische Bestien unterwegs, zeigt die Seelenebene den Menschen in ihnen. Als Mensch des Tages begegnet trägt ihre Seele die Gestalt des Monsters. Im Gegensatz dazu scheint die Seelengestalt von Wandlern stetig zwischen den Gestalten der sichtbaren Welt zu wechseln. Die Dämonen hingegen haben ihre eigene Seelengestalt, die ihr Aussehen mit zunehmender Macht auf ihren irdischen Körper überträgt.
Stirbt ein Wesen, so gelangt es in das Zwischenreich, ein Ort, wo die Seelen sich sammeln auf dem Weg zu ihrer letzten Reise, der sie in den Abgrund oder in den ewigen Garten führt. Aber dies ist auch ein Ort, an dem Seelen ausharren, die keine Ruhe finden. Hier kann eine Seele noch vernichtet werden oder zur Erde zurückkehren. Um ihr den leuchtenden Pfad in Garten oder Abgrund zu öffnen muss eine Beerdigung stattgefunden haben oder ein Gläubiger die Seele unter den letzten Schutz einer Gottheit gestellt haben.
Besonders für das Entstehen von Dämonen, Nymphen oder Wiedergängern ist das Zwischenreich verantwortlich.
Wesen, die sterben könnten aber nicht wollen, weil negative Erinnerungen sie festhalten und quälen können sich den Weg zur Welt zurückerkämpfen. Der Preis, den sie dafür zahlen ist hoch, durchleben sie doch alle Pein, Schmerz und Ängste ihrer Seele und gehen durch den Abgrund, ehe sie die größte Sorge ihres Herzens durchschreiten und als Dämonen zur Erde zurückkehren. Fortan müssen sie sich hüten zu sterben, würde ihr Weg sie doch dann nicht in das Zwischenreich sondern sofort auf ewig in den Abgrund führen.
Doch es gibt auch Geschöpfe, die so viel Liebe und Zuneigung zur Welt verspüren, dass sie sich nach ihrem Tod beschließen, auf ewig die Lebenden zu schützen. Durch die Kraft ihrer Güte und ihres Herzens legen sie allen Hass und Zorn ab und kehren als Nymphen auf die Erde zurück, behalten aber wie die Dämonen eine Großteil ihrer Erinnerungen an ihr früheres Leben. Im Falle ihres Todes gelangen sie direkt in den Garten der Götter.
Wiedergänger hingegen sind Seelen, die sterben könnten, sich aber noch unsicher sind und keine rechte Ruhe haben, aber auch den Weg zu Garten oder Abgrund nicht finden. Sie werden von den Göttern erneut in den ewigen Lebenskreislauf geschickt, verlieren aber meist die Erinnerung an das vorherige Leben. Sterben sie erneut gelangen sie wieder in die Zwischenwelt in der Hoffnung, diesmal zu einer Entscheidung zu gelangen.
Der Abgrund ist die schlimmste Sache, die einer Seele widerfahren kann. Einmal hineingefallen erleidet sie auf ewig die grausamsten Qualen und Schmerzen, zusammengesperrt mit Dämonen und anderen Unwesen und bewacht von der verbannten Göttertochter Athanasia.
Der Garten der Götter, auch das "Strahlende Land" genannt, ist das wahre Paradies. Freude und Liebe, nie wieder Sehnsucht und Trauer, stattdessen Ruhe und Frieden, erwarten eine dorthin eingekehrte Seele.
Seelen, die einmal in Abgrund oder Garten gelangt sind können nicht zurückkehren. Nur selten haben es bisher mächtige Theomananhänger geschafft, dort Kontakt zu einem Verstorbenen aufzunehmen oder ihn gar in das Reich der Lebenden zurück zu holen.



Die beiden wohl wichtigsten kosmischen Gottheiten sind Wynne und Iom, Mond und Sonne.
Vor Urzeiten lebte Wynne auf Erden, ein Geschöpf des Lichtes im "Strahlenden Land", der Heimat der Göttlichen. Ihre Schönheit war weithin gepriesen und jene, die sie ansahen, sprachen stets von der "weißen Dame", ein Begriff, der selbst in heutigen Tagen noch im Sprachgebrauch vieler Völker zu finden ist. Laut zahlreicher Überlieferungen war ihre Haut von der Farbe weißen Marmors, ihr Haar so fein wie Spinnennetze und der Glanz in ihren Augen den Sternen gleich, die ganze Gestalt umgeben von einem zarten Schimmer wie von Silberstaub. Wohl viele Männer hielten um die Gunst der schönen Göttin an, doch nur ein Einziger war es, der ihr kaltes Herz erwärmen konnte:
Iom, der Glühende, der, dessen Antlitz seine Feinde blendete, der gnadenlos und voll heißem Feuer war, und in dessen Innerstem eine Glut brannte, mächtig genug, alles Leben zu zerstören, doch auch warm und milde, um Leben zu erschaffen.
Siebenmal traf sich das junge Paar in den Gärten, siebenmal lebten sie gemeinsam das Glück der Verliebten und sechsmal gebar Wynne einen prächtigen Knaben, vom Antlitz dem Vater gleich, vom Glanze der Mutter. Doch das siebte Kind war das Mädchen Athanasia.
Ihre Schönheit war eine schreckliche Gabe. Unbarmherzig und kalt waren ihre Augen, voller Schwärze und mit einem eisigen Atem, der Knochen zerspringen und Blut verrinnen ließ. Über das unglückselige Kind zog sich ein Nebel aus Dunkelheit und niemand konnte in seiner Nähe Freude ertragen. Danwig, Gott des Kampfes und der Raserei vertrieb schließlich die Tochter der beiden aus dem Land des Lichtes und verbannte sie in die ewige Dunkelheit, dem Reich des Todes. Nur Abelera, die Göttin der Natur war dem Mädchen wohl gesonnen und nahm es in ihre Mitte auf, bis es erwachsen war und endgültig in die finsteren Untiefen des Abgrunds verstoßen ward.
Doch Danwigs Wut war nicht gesättigt. Voller Zorn jagte er auch Wynne, die Weiße, aus dem ewigen Götterreich und verbannte sie mit ihren sechs Söhnen an den Himmel, wo sie bis zum ewigsten Tag ihre Bahnen ziehen sollte. Iom, halb wahnsinnig vor Schmerz folgte ihr, doch schaffte es Danwig durch eine List, die beiden auf ewig voneinander zu trennen: Hinfort war es Iom und Wynne unmöglich, einander wieder zu sehen, liefen sie doch stets am anderen Ende der Erde. Nur an seltenen Tagen konnten sie den anderen am gegenüberliegenden Horizont erspähen und aus Freude, den Geliebten zu erblicken rannten sie weiter, und konnten so doch einander nie erreichen.
In den heutigen Tagen gilt Wynne als die erste kosmische Gottheit, ein Sinnbild für Kälte und wohltuende Erfrischung, Schönheit, Adel und Ruhe. Ihre Magie ist mächtig und rein, doch da ihr Blick auf Iom gerichtet ist kümmert sie sich nicht um die Verwendung ihrer Kraft. Ebenso steht es mit Iom, der die zweite kosmische Gottheit darstellt. Seine Magie ist stark wie die Wynnes, doch steht er für Aufbruch und Wärme, für feurige Hitze, Temperament und Begeisterung.
Magier, die die Energie einer dieser Gottheiten nutzen müssen auf speziellen Akademien ausgebildet sein, da der ungeübte Gebrauch tödlich enden kann. Anders als die anderen Gottheiten kümmern sich Iom und Wynne nicht um die, die ihre Kraft anrufen. Anzumerken sei jedoch, dass Gläubige durchaus Unterstützung von der jeweiligen Gottheit erhalten. Besonders Verliebte genießen die Gunst der beiden Gottheiten, sofern sie unter deren Schutz stehen.



Danwig ist der Beschützer aller Heerscharen, oberster Gott des Krieges und der Raserei. Er war es, der Wynne und Iom aus dem "strahlenden Land" vertrieb und der beide an den Himmel der Erde verbannte, zusammen mit ihren sechs Söhnen. Die Verbannung ihrer Tochter ist jedoch bis heute umstritten. In der Nachfolgerschaft der Gläubigen, die sich Danwig verschrieben hat, entstand die erste Glaubensspaltung der Geschichte.
Viele spekulierten darauf, Danwig habe Iom und Wynne nur deshalb getrennt, weil er ein kosmisches Chaos vermeiden wollte. Theoman, die Zwillingsgottheit soll ihm dabei beratend zur Seite gestanden haben, jedoch finden sich keinerlei Hinweise darauf in den Schriften. Laut diesen Nachfolgern soll Danwig den Ausgleich von Hell und Dunkel zu vermeiden gesucht haben, damit der ewige Kreislauf nicht gestört wird. Anhänger dieses Glaubens sehen in ihm vor allem einen Gott der ehrlichen Krieger, der Treue, der Beschützer und des aufopfernden Mutes.
Der Glaubenszweig, der sich von diesem traditionellen Bild abspaltete ist heute in den meisten Reichen verboten und verfolgt. Ihrem Glauben nach soll Wynne ein kurzes Verhältnis mit Danwig gehabt haben, aus dem die Tochter Athanasia hervorging. Aus Scham über das todbringende Kind und aus Wut, dass Wynne nicht auch ihm einen Sohn geschenkt hatte soll er Mutter und Kind verstoßen und aus dem Reich verbannt haben. Dem Streit und einem von Danwig geforderten Kampf entzog sich laut diesen Erzählungen Iom durch seine Flucht an den Himmelskörper, zu seiner Geliebten Wynne. Die Anhänger dieses so genannten "Wolfsglaubens" verehren Danwig vor allem als einen Gott der Rache, des Kampfes, der Wut und des bedingungslosen Sieges.
Keine der beiden Glaubensrichtungen konnte bisher durch die Schriften vollkommen geklärt oder widerlegt werden, weshalb noch immer eine Antipathie zwischen den Gläubigen beider Gottesanschauungen besteht, die sich sogar bis zur Feindschaft entwickelt hat.
Danwig wird vor allem von Kämpfenden angerufen, jedoch auch in Lebenssituationen, die extremen Mut fordern und in denen es notwendig ist, über sich hinauszuwachsen. Es gibt jedoch auch Gesellen der dunkleren Handwerke, die bei ihren Schandtaten Unterstützung von diesem Gott fordern, um ihre düsteren Machenschaften unbeschadet zu überstehen. In beiden Fällen übernimmt Danwig aber die Aufgabe eines Richters, der in seinem Urteil durch nichts zu bestechen und durch nichts abzubringen ist.
Danwigs Magie ist eine sehr kraftvolle, die sich sowohl in magischen Ritualen äußert, als auch in göttlicher Unterstützung und Beistand in den jeweiligen Situation. Danwig zählt damit zu den Beschwörungs- und Schutzgöttern.



Abelera gilt als Göttin der Natur und der Elemente.
Abelera war lange Zeit die Ziehmutter von Ioms und Wynnes Tochter, die später in die Hallen des Todes verstoßen wurde. Im Übrigen kümmerte sich Abelera aber nicht um die Angelegenheiten der anderen Götter, da ihre Heimat in Natur und den Urkräften liegt. Magie, die von dieser Göttin erhalten wird ist unrein. Sie gibt selten die reine Kraft an die, die sie anrufen. Vielmehr müssen Magier, die sich ihrer Zauberkraft bedienen, diese aus speziellen Zutaten gewinnen, beziehungsweise die Gabe besitzen, diese aus den Elementen zu gewinnen. Um solch mächtige Zauber wirken zu können muss der Umgang und das "Filtern" aus den Elementen und der Umwelt gelernt werden. Das größte Wissen über die nötigen Rituale und Sprüche herrscht im Volksmund vor. Zahlreiche Redensarten verraten einzelne Zutaten für schwache Heilmittel.
Die starke Energie und gewaltige Magie liegt jedoch in dem Wissen der Alten verborgen, die noch im Einklang mit der Natur lebten, und unter freiem Himmel zu nächtigen verstanden, ohne Angst vor wilden Tieren, da ihnen jedes Wesen wohl gesonnen war, in der Erkenntnis, dass diese Personen unter dem Schutz der Göttin Abelera standen. Die Schwierigkeit liegt darin, die Kraft aus den Elementen zu gewinnen und sie gebündelt wieder abzugeben und dabei noch das Wissen zu besitzen, wie die Energie für das Gewünschte Ergebnis zu verwenden ist.
Abelera ist den Erdenbewohnern neutral gegenübergestellt. Sie verachtet sie nicht, kümmert sich aber auch nicht um sie. Die einzigste Ausnahme besteht in der Beziehung zu Kindern. Vor allem junge Mütter weihen ihre Kinder in den ersten Jahren dem Schutze Abeleras, da diese selbst das Kind des Todes bei sich aufnahm und umsorgte.
Wer allerdings im Zeichen Abeleras stirbt muss damit rechnen, nicht in den ewigen Kreislauf einzugehen, sondern von Winden zerstreut, von Feuer zu Asche verbrannt, von Wasser hinfort getragen und von der Erde zertrümmert zu werden.
Im Allgemeinen ist Abelera der Inbegriff mütterlicher Liebe, Herrscherin über Tier- und Pflanzenwelt, des Friedens und der Urkräfte und Naturgewalten, sowie der Elemente. Sie ist die oberste Naturgöttin.



Theoman ist die unsichtbare Gottheit, die Essenz allen Lebens. Diese Zwillingsgottheit tritt sowohl in Gestalt einer Frau als auch eines Mannes in Erscheinung, zuweilen jedoch auch als gleichgeschlechtlicher Zwilling. Die häufigste Gestalt ist jedoch ein geschlechtsloses Wesen, das sowohl männliche als auch weibliche Züge trägt und das sich von Augenblick zu Augenblick zu wandeln scheint.
Theoman verkörpert die ewige Wiederkehr, den Kreislauf aller Dinge. Er steht für den Ausgleich aller Gegensätze und das Gleichgewicht in der Welt. Gleichzeitig ist er der Wächter am Tor zur Totenwelt und greift als regulierende Kraft in das Gefüge der Welt ein.
Die Gottheit steht für Wiedergeburt und endgültige Erlösung, für Tod und Leben, für Vergehen und Neuentstehung, für alle Extreme, deren Kreisläufe und ein Gleichgewicht der Kräfte. Nur wenige stehen im Dienste dieses Gottes und seine Magie gibt er nur wenigen preis, wobei letztendlich der ungeübte Umgang damit tödlich sein kann.
Da Theoman selten als Gestalt in Erscheinung tritt sondern mehr in den Dingen an sich zu finden ist und mehr seine Wirkung auf die Welt sichtbar wird gilt er als Essenz allen Lebens. Auch in den Geschichten der Götter ist Theoman als ausgleichende Gottheit zu finden, jedoch taucht er weitaus seltener in den Erzählungen auf, als die Schutzgötter, kosmischen Gottheiten und Naturgötter, da selbst für die Gläubigen die Wege und Taten selten zu hinterschauen sind. Zumal diese Gottheit dafür bekannt ist, ihre Anhänger durch Berge und Täler von Gefühlen und Schicksalsschlägen zu scheuchen, ob reinweg zur Freude oder einem bestimmten Grund folgend ist dabei nicht festzustellen.
Theoman kann keinem direkten Gebiet zugeordnet werden, da seine Macht auch in andere Gebiete hineingreift. Als unsichtbare Gottheit ist seine Magie Einzelnen vorbehalten und auch nicht durch das Studium der Schriften oder durch Erbfolge erlernbar. Seine regulierende Kraft wird jedoch sehr geschätzt und besonders in Krisenzeiten stellen viele sich unter den Schutz des Gottes, wenngleich viele vergessen, dass auch Freuden eine Schattenseite bereithalten und zu Liebe ebenso das Leid gehört, wie Gesundheit und Krankheit eine Einheit bilden.
Besonders Sterbende befehlen sich häufig unter die Herrschaft Theomans, um nach dem Tod in den Kreislauf des Lebens einzugehen und mit etwas Glück und Gunst wiedergeboren zu werden. Ebenso ist es sein Aufgabengebiet, die Seelen in das Reich des Todes einzulassen und ihr ewiges Umherirren auf Erden zu beenden.
Da diese Gottheit sich nur selten einer Gestalt bedient, um ihre Macht auszuüben und sie auch sonst nur unsichtbar, ähnlich wie das Schicksal, ins Weltgeschehen eingreift, ist sie mehr als die anderen Götter auf Archonen, Stellvertreter und Machtbefugte, angewiesen.

